Regenwasser sammeln: Regenwassertank, Tonne oder Zisterne?
Regenwasser sammeln im Garten: Regentonne, Regenwassertank und Zisterne im direkten Vergleich. Kosten, Einbau, passende Größe und Empfehlung je Haustyp.

Über ein Satteldach mit 120 Quadratmetern Grundfläche laufen pro Jahr etwa 80 Kubikmeter Regenwasser. Das meiste davon verschwindet im Kanal. Wer nur eine Tonne unter das Fallrohr stellt, fängt davon vielleicht zwei Prozent auf.
Genau hier beginnt die eigentliche Frage. Nicht: Soll ich Regenwasser sammeln? Sondern: Welches System passt zu Grundstück, Dachfläche und Budget? Dieser Vergleich stellt die drei üblichen Bauformen nebeneinander und endet mit einer klaren Empfehlung je Haustyp.
Was auf Ihrem Dach wirklich ankommt
Bevor Sie über Behälter nachdenken, rechnen Sie kurz nach. Die Formel ist einfach:
Dachfläche (m²) × Jahresniederschlag (mm) × Abflussbeiwert × Filterwirkungsgrad
Im deutschen Mittel fallen etwa 800 Millimeter Niederschlag pro Jahr, also 800 Liter je Quadratmeter. Der Abflussbeiwert liegt bei Ziegeldächern bei etwa 0,8, bei begrünten Flachdächern deutlich darunter. Für den Filter rechnet man mit 0,9.
Ein Beispiel: 120 × 0,8 × 0,8 × 0,9 ergibt knapp 70 Kubikmeter jährliche Ausbeute. Wichtig ist dabei die projizierte Grundfläche des Dachs, nicht die schräge Dachhaut. Zählen Sie außerdem Gartenhaus und Carport mit. Ein gedämmtes Gartenhaus aus Holz, das ganzjährig genutzt wird, liefert nebenbei ein paar Kubikmeter Gießwasser.
Der Ertrag ist also selten das Problem. Das Problem ist der Speicher: Bei starkem Regen im Winter läuft alles über, im Juli fällt wochenlang gar nichts.
Wofür sich die Regenwassernutzung im Garten lohnt
Für die Bewässerung des Gartens ist Regenwasser dem Leitungswasser schlicht überlegen. Es enthält keinen Kalk, hat einen niedrigen pH-Wert und trifft die Pflanzen mit Umgebungstemperatur statt mit 10 Grad aus der Leitung. Rhododendren, Hortensien und Blaubeeren danken es sofort, Kübelpflanzen bekommen keine weißen Ränder.
Weil Regenwasser im Garten kalkfrei und temperiert ankommt, ist es für Beet, Rasen und Kübel besser geeignet als Trinkwasser aus dem Hahn. Auch für Tomaten und Salat ist es unbedenklich, solange Sie nicht direkt auf die essbaren Teile gießen und der erste Schmutzschwall vom Dach über einen Vorfilter abläuft.
Weitere sinnvolle Möglichkeiten, gesammeltes Wasser im Garten und Haushalt zu nutzen:
- Toilettenspülung und Waschmaschine, der größte einzelne Hebel überhaupt
- Reinigung von Terrasse, Zaun und Gartengeräten
- Nachfüllen von Teich und Hochbeet
- Gießwasser fürs Gewächshaus, wo die Wasserqualität mit über Feuchtigkeit und Schimmelbildung entscheidet
Nicht geeignet ist das gesammelte Wasser für Trinkzwecke, Planschbecken oder Pool. Wichtig ist außerdem ein dichter Deckel, damit keine Mücken ins System gelangen.
Option 1: Die Regentonne
Die Regentonne ist die einfache Lösung ohne Bagger. Behälter neben das Fallrohr stellen, Regensammler einsetzen, fertig. Der Einbau dauert eine Stunde. Übliche Größen liegen zwischen 200 und 500 Litern, als IBC-Container bei einem Kubikmeter.
Der Preis: 40 bis 150 Euro für eine klassische Tonne, 150 bis 250 Euro für einen gebrauchten IBC. Der Nachteil ist ebenso klar. 300 Liter reichen für ein gründliches Gießen eines Gemüsebeets. Nach zwei Sommerwochen ohne Regen stehen Sie wieder am Wasserhahn.
Dazu kommt: Eine Tonne im Freien wird warm, bekommt Licht ab und veralgt schnell. Und sie muss im Herbst geleert werden, sonst sprengt der Frost sie.
Option 2: Der Regenwassertank aus Kunststoff
Sobald der Speicher unterirdisch liegt, wird es interessant. Einen Regenwassertank aus PE gibt es in zwei Bauformen: als runden Erdtank mit größerer Bautiefe und als flachen Retentionstank, der nur etwa einen Meter tief eingebaut wird.
Der Flachtank ist die passende Lösung für Bestandsgrundstücke. Weniger Aushub bedeutet weniger Handarbeit, weniger Abtransport und oft die Möglichkeit, unter Zufahrt oder Rasen einzubauen, ohne den halben Garten umzugraben. Typische Größen: 1.500 bis 5.000 Liter.
| Punkt | Erdtank rund | Flachtank |
|---|---|---|
| Einbautiefe | ca. 1,8–2,5 m | ca. 1,0–1,5 m |
| Aushub | groß, Bagger nötig | moderat |
| Preis Behälter (3 m³) | ab ca. 900 € | ab ca. 1.300 € |
| Befahrbarkeit | je nach Modell | Pkw-Version erhältlich |

Für Kunststoff gilt eine Einschränkung: Bei hohem Grundwasserstand braucht der Regenwassertank eine Auftriebssicherung. Der Erdaushub in Eigenleistung spart mehrere Hundert Euro, verlangt aber sauberes Arbeiten beim Unterbau.
Option 3: Die Beton-Zisterne
Eine Zisterne aus Beton ist die dauerhafteste Lösung und die schwerste. Privat übliche Größen reichen von 3 bis 20 Kubikmetern. Der Behälter kommt in einem Stück per Kran und braucht deshalb eine freie Zufahrt.
Beton hat zwei technische Vorteile. Er ist auftriebssicher, und der Kalk im Material puffert den sauren pH-Wert ab. Die Qualität des gesammelten Regenwassers bleibt dadurch stabiler, was besonders bei der Nutzung im Gebäude zählt. Im unterirdischen Speicher ist es dunkel und kühl, das Wasser also deutlich besser als in jeder Tonne.
Der Preis: 1.500 bis 3.500 Euro für den Behälter, 4.000 bis 8.000 Euro für eine komplette Anlage inklusive Pumpe, Filter, Erdarbeiten und Anschluss. Für die reine Gartenbewässerung genügt eine Saugpumpe, für die Hausnutzung braucht es ein Hauswasserwerk mit Trinkwassernachspeisung nach DIN EN 1717.
Die drei Bauformen im direkten Vergleich
| Kriterium | Regentonne | Regenwassertank | Beton-Zisterne |
|---|---|---|---|
| Volumen | 0,2–1 m³ | 1,5–5 m³ | 3–20 m³ |
| Gesamtkosten | 40–250 € | 1.500–4.000 € | 4.000–8.000 € |
| Einbau | selbst, 1 Stunde | Bagger, 1 Tag | Kran, 1–2 Tage |
| Platzbedarf oberirdisch | ja | nein | nein |
| Winterfest | nein, leeren | ja, frostfrei | ja, frostfrei |
| Wasserqualität | mäßig | gut | sehr gut |
| Nutzung im Haus | nein | ja | ja |
| Lebensdauer | 5–15 Jahre | 30+ Jahre | 50+ Jahre |

Kosten, Gebühren und Förderung 2026
Rein über den Wasserpreis rechnet sich eine Zisterne langsam. Ein Kubikmeter Trinkwasser kostet je nach Kommune 1,50 bis 2,50 Euro, das Abwasser noch einmal so viel. Laut Umweltbundesamt verbrauchen Personen in Deutschland 126 Liter Trinkwasser pro Tag, wovon nur ein kleiner Teil auf Raumreinigung, Autopflege und Garten entfällt. Im Sommer steigt dieser Anteil in einem Haus mit Garten allerdings stark an.
Zwei Punkte verbessern die Rechnung spürbar:
- Gesplittete Abwassergebühr. Immer mehr Kommunen rechnen Niederschlagswasser getrennt ab, meist zwischen 0,30 und 1,90 Euro je Quadratmeter versiegelter Fläche und Jahr. Wer speichert und versickern lässt, senkt diese Position dauerhaft.
- Kommunale Zuschüsse. Eine bundesweite Förderung der Regenwassernutzung gibt es nicht. Etwa 200 Kommunen zahlen im Rahmen ihrer Schwammstadt- und Klimaanpassungsprogramme aber Zuschüsse zwischen 200 und 2.500 Euro, oft gekoppelt an eine Versickerung des Überlaufs.
Fragen Sie vor dem Kauf bei der Gemeinde nach. Die Programme sind selten gut sichtbar, und viele werden nur ausgezahlt, wenn der Antrag vor Baubeginn vorliegt.
Welche Lösung passt zu welchem Haustyp?
Bestandshaus mit kleinem Garten. Zwei bis drei verbundene Regentonnen oder ein Kubikmeter-Behälter mit Sichtschutz decken den Bedarf für Beete und Kübel. Ein unterirdischer Tank steht in keinem Verhältnis, wenn nachher 60 Quadratmeter Rasen zu gießen sind.
Mittleres Reihenhausgrundstück. Hier ist der Flachtank die beste Wahl. Ein großer Tank mit 3.000 Litern unter dem Rasen überbrückt auch drei trockene Wochen, der Aushub bleibt beherrschbar, und oberirdisch geht kein Platz verloren. Wer den Garten nach dem Einzug neu anlegt, plant ihn direkt mit ein. In einer Gartenplanung nach dem Umzug gilt: erst der Tank, dann die Wege.
Neubau mit Gartenbewässerung. Solange der Bagger auf dem Grundstück steht, kostet der Sprung zur Zisterne kaum Aufpreis. 6 bis 10 Kubikmeter versorgen automatische Bewässerung und Toilettenspülung, und die Leitungen liegen ohnehin offen. Später nachgerüstet kostet dieselbe Anlage schnell das Doppelte.
Sauber halten und winterfest machen
- Pumpe und Filter zweimal jährlich prüfen, im Frühjahr und nach dem Laubfall. Ein zugesetzter Filter leitet die ganze Ausbeute in den Kanal.
- Regentonnen im Oktober leeren und umdrehen oder mit geöffnetem Hahn stehen lassen.
- Erdtank und Zisterne bleiben gefüllt. Unterhalb der Frostgrenze passiert nichts, oberirdische Leitungen müssen aber entleert werden.
- Einen beruhigten Zulauf einbauen, damit die Sedimentschicht am Boden nicht aufgewirbelt wird.
- Den Überlauf sicher führen. Er gehört an Sickerschacht oder Mulde, niemals gegen die Kellerwand.
Sinnvoll ist am Ende auch die Verteilung. Eine Pumpe mit Tropfschlauch bringt das gesammelte Wasser direkt an die Wurzeln der Pflanzen, gerade wenn Sie ein Rankgerüst für Obstbäume gebaut haben.
Häufige Fragen
Wie finde ich die passende Größe für meinen Garten?
Als Faustregel gilt: 30 bis 50 Liter Speicher je Quadratmeter Fläche, die tatsächlich gegossen wird. Wird der Garten größer, wächst der Bedarf entsprechend. Die meisten Grundstücke landen zwischen 2 und 5 Kubikmetern, bei vier Personen im Haushalt eher am oberen Ende. Mehr bringt wenig, wenn der Speicher im Winter ohnehin überläuft.
Regentonne oder Zisterne, was lohnt sich wann?
Die Tonne lohnt sich bei kleinen Flächen und knappem Budget. Eine große Zisterne lohnt sich, sobald Sie längere Trockenphasen überbrücken oder Regenwasser im Haus nutzen wollen. Dazwischen steht der Flachtank als Kompromiss für Bestandsgärten. Bei dieser Entscheidung gibt meist der Einbauaufwand den Ausschlag.
Brauche ich für einen Erdtank eine Genehmigung?
Für die reine Gartenbewässerung meist nicht. Prüfen Sie trotzdem den Bebauungsplan, da manche Kommunen die Versickerung des Überlaufs vorschreiben. Bei Anschluss ans Haus besteht Anzeigepflicht.
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*Redaktion trekstor.de, Stand September 2026.*



