Ist Linux etwas für Jeden?

B. Dahlhoff hat gepostet

Ich wurde gebeten, doch mal einen Artikel zu schreiben, der das Thema Linux solchen Menschen näher bringt, die zur Gruppe der Anwender ohne oder mit wenigen Spezialkenntnissen im IT-Bereich zählen. Ganz einfach ist die Aufgabenstellung nicht, denn das Thema hat unglaublich viele Facetten. Allgemeine Informationen, was Linux ist, gibt es im Internet genügend. Was soll ich da noch schreiben? Und auf welchem Level? Ich habe mich darum entschieden, die Frage, für wen Linux geeignet ist, anhand meiner eigenen Motivationen zu beantworten.

Zu meiner Person: Benjamin Dahlhoff, Fachinformatiker, Medienfachwirt, derzeit als IT-Security Consultant arbeitend, Linux-Nutzer. Mein Antrieb, Linux zu nutzen, kommt aus den Bereichen Freiheit, Unabhängigkeit, Sicherheit und Design . Und wenn ich Linux jemandem empfehle, dann aus dieser, meiner eigenen Sicht.

Freiheit

Linux ist ein freies Betriebssystem. Das bedeutet, dass der Quelltext, jedem Menschen kostenlos zur Verfügung steht. Darauf aufbauend gibt es verschiedene sogenannte Distributionen, also als Paket aus freier Software zusammengeschnürte Betriebssysteme, die unterschiedliche Bedürfnisse bedienen. Die meisten bekannten Distributionen sind spezialisiert auf die Anwendung als Desktop- und/oder als Server-Betriebssystem. Einige bekannte Distributionen sind zum Beispiel Ubuntu Linux, SUSE Linux oder elementaryOS. Nicht alle Linux Distributionen sind kostenlos. Red Hat Linux richtet sich beispielsweise ausschließlich an Firmenkunden und kostet, je nach Anwendungszweck, Lizenzgebühren in unterschiedlicher Höhe. Entscheidend ist aber, dass der Quelltext aller Linux-Distributionen, wieder von den Herstellern veröffentlicht wird. Dies wird durch Lizenzen wie die GNU General Public License durchgesetzt. Damit unterscheidet sich Linux deutlich von proprietärer Software wie beispielsweise Windows, wo Anwender und Firmen von einem Unternehmen abhängig sind und die Quelltexte nicht lesen, verändern und weiterverbreiten dürfen.

Unabhängigkeit

Wer Linux nutzt, dem stehen nicht nur Unmengen an verschiedenen Distributionen und Softwarepaketen zur Verfügung, sondern auch die Möglichkeit, eigene Software daraus zu entwickeln. Außerdem können sich Nutzer, so sie denn technisch und fachlich dazu in der Lage sind, mit freier Software auch aus den Ökosystemen der großen Anbieter befreien. Wer mag, kann so seinen eigenen Cloud-Speicher aufsetzen (z.B. mit Nextcloud), in freien sozialen Netzwerken interagieren (z.B. Mastodon), seinen eigenen Messenger Dienst betreiben (z.B. Matrix) und vieles andere mehr. Heute es ist vielen Menschen gar nicht bewusst, wie abhängig sie von den Anbietern der Software auf ihrem Smartphone oder PC sind. Wenn Google, Microsoft, Facebook, Apple und all die anderen Technologiegiganten sich entscheiden, Dienste zu verändern, kostenpflichtig zu machen oder die Daten ihrer Nutzer zu Geld zu machen, dann bleibt vielen Anwendern scheinbar nur übrig, dies zu akzeptieren. Dabei gibt es, dank Linux und freier Software, brauchbare Alternativen. Neuerdings sogar ein erstes Smartphone, das Librem 5 ([link](https://puri.sm/products/librem-5/)).

Sicherheit

Linux ist, ganz allgemein gesagt, ein sicheres Betriebssystem. Es bietet ein klares Nutzer- und Rollenkonzept, zuverlässige Softwarequellen und schier unendliche Möglichkeiten zur kryptografischen Absicherung des Systems und aller Kommunikation. Natürlich gibt es auch bei Linux Sicherheitslücken und natürlich kann auch ein Linux, durch fehlerhafte Benutzung, seine Sicherheit einbüßen. Sicherheit ist enorm abhängig von den Fähigkeiten der Administratoren und Nutzer einer Software. Doch bei Linux können Fehler direkt im Quelltext der Software von jedem gefunden und behoben werden. Auch bieten die vielen Linux-Installationen nur wenige gemeinsame Angriffspunkte, denn es gibt eine Vielzahl von unterschiedlichen Konstruktionen und Konfigurationen. Dies macht es, im Vergleich zu Mac OS und Windows, deutlich schwerer, eine große Menge von Computersystemen mit Linux auf einen Schlag mit Schadsoftware zu infizieren. Im Endeffekt sind deshalb auch normale Anwender, die Linux beispielsweise auf ihrem Heim-PC einsetzen, besser vor Schadsoftware geschützt als solche Anwender, die auf ein weit verbreitetes proprietäres Betriebssystem setzen.

Design

Das ist jetzt vermutlich eher ein unerwartetes Argument für Linux, zumindest wenn man ältere Distributionen und ihre unansehnlichen Desktop-Umgebungen kennt. Auch heute noch gibt es meiner Ansicht nach Distributionen, die einfach einen hässlichen Desktop haben, doch das ändert sich dank vieler exzellenter Programmierer und Gestalter derzeit rapide. Zunächst ist es wichtig zu erwähnen, dass die grafische Benutzeroberfläche einer Linux-Distribution, frei gewählt werden kann. Die meisten Distributionen entscheiden sich für eine bestimmte Desktop-Umgebung, beispielsweise Gnome, Deepin oder KDE, sowie ein bestimmtes Design. Bei vielen Distributionen, z.B. Deepin oder elementaryOS, steht das Design im Mittelpunkt. Ich persönlich finde die Gnome Desktop-Umgebung am schönsten und komfortabelsten. Gnome ist minimalistisch und funktional zugleich, setzt aber auf ein sehr unterschiedliches Bedienkonzept im Vergleich zu vielen anderen Desktop-Umgebungen, die sich eher an Windows und MacOS orientieren. Gnome ist darum meine Wahl, als Design nutze ich das "Adapta"-Theme.

Für wen ist Linux geeignet?

Linux ist eine gute Wahl für Menschen, welche die erwähnten Vorteile freier Software zu schätzen wissen und bereit sind, sich aus ihrer IT-Komfortzone heraus zu bewegen. Da es allerdings nur wenige Computer zu kaufen gibt, auf denen Linux bereits vorinstalliert ist, bedarf es Geduld und etwas Mut, um eine Distribution zu wählen und auf dem eigenen Personal Computer zu installieren. Auch bedarf es einer Abschätzung, ob für die Anwendungen, welche man privat und beruflich nutzt, genügende Alternativen für Linux existieren. So ist es für Grafiker, die beispielsweise auf die Adobe Produkte angewiesen sind, nicht sinnvoll auf Linux zu wechseln, solange diese Programme dort nicht zur Verfügung stehen. Da allerdings die meisten privaten Nutzer weniger festgelegt sind, lohnt es sich für diese oft auch finanziell, sich in der Linux-Welt nach Alternativen umzusehen. Die nächste eingesparte Windows- oder Office-Lizenz kann sinnvoll an anderer Stelle verwendet werden, beispielsweise für bessere Hardware, welche Linux unterstützt und Freude macht beim Arbeiten.

Meine Lieblingsdistribution

Persönlich setze ich auf Fedora Linux. Fedora ist quasi die Laborversion von Red Hat Linux. Fedora hat eine unglaublich hohe Aktualisierungshäufigkeit. Alle 2-3 Tage ist ein Update verfügbar. Dafür, dass viele neue Technologien in Fedora Linux ausprobiert werden, ist es aber erstaunlich stabil. Alle sechs Monate gibt es derzeit zudem ein großes Versionsupdate, welches meist ohne größere Probleme eingespielt werden kann. Ich installiere Fedora quasi auf jeden Computer, der mir unter die Finger kommt und bin bisher von der breiten Hardware-Unterstützung angetan.

Wer ein Linux mit modernster Technologie sucht, der findet mit Fedora Linux ein hervorragendes Betriebssystem. Wer eher ein lange unterstütztes Desktop-Linux sucht, sollte statt dessen zu einer Distribution greifen, die sogenannte Long Term Support (LTS)-Versionen anbietet.

Weiterlesen:

Ein schöner Überblick über die besten Linux-Distributionen, geordnet nach Einsatzzweck: https://itsfoss.com/best-linux-distributions/

Webseite des Librem 5, einem Linux-Smartphone mit ausschließlich quelloffener Software: https://puri.sm/products/librem-5/

Webseite des Fedora Magazine, einer englischsprachigen Seite, die sich Themen rund um Fedora Linux widmet: https://fedoramagazine.org/

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