Das Wochenende ganz ohne Internet – ein Erfahrungsbericht

F. Sinner hat gepostet

Diese Woche wird es Zeit, ein ernsthaftes Vorkommnis aus meiner nahen Vergangenheit aufzuarbeiten. Der Blog hier agiert als mein Ventil, um die seelische Schieflage zu bewältigen, mit der ich beinahe das gesamte Wochenende klarkommen musste. Das-gesamte-Wochenende. Mehr als zwei Tage lang. Gut, zugegebenen Maßen hätte es schlimmer kommen können, aber ich versichere euch, es war hart. Die Überschrift hat mich ja bereits verraten, denn es ging um einen fiesen Internetausfall am Wochenende. Ach komm, so schlimm war das doch bestimmt nicht, denken sich vielleicht jetzt manche. Und ja, das hätte ich vermutlich ebenso gedacht. Zumindest bis zum letzten Freitag. Da hörte der Spaß auf…ganz, ganz echt jetzt.

Der Horror beginnt nach dem Feierabend

Was ist das für ein schönes Gefühl: Freitag, 16:30 Uhr, Feierabend. Mega! Ab ins Auto, schnell einkaufen gehen und dabei die Vorfreude auf die Couch mit aller Macht im Zaum halten. Und kurz bevor eben diese zu explodieren scheint, stürzt man völlig entkräftet in die Wohnung und sieht den heiligen Gral der flauschigen Träume mitten im Raum stehen. Der Fernseher scheint einen euphorisch anzulächeln und kann es kaum erwarten, endlich eingeschaltet zu werden. Wochenende! Und dann trat das Unvorstellbare ein: Mein Smart-TV fand keine Internetverbindung. Netflix blieb dunkel. Also gut, temporäre Störung, dann halt beim Kochen ein bisschen normales Fernsehen laufen lassen. Bildeingang gewechselt und dann…nichts. IP-TV hat gerade keine Lust. Bereits zu dem Zeitpunkt macht sich ein flaues Gefühl im Magen breit. Aber okay, Router neu starten, dann wird das schon. Gesagt, getan. Der Router blinkt auf und signalisiert, dass der Neustart abgeschlossen ist. Also zitternd die Fernbedienung in die Hand genommen, zehn Ave-Maria gebetet und den TV wieder eingeschaltet. Und was glaubt Ihr, was das Ergebnis war? Richtig, nichts!

Die Welt wird plötzlich sehr einsam

Ein Anruf beim Internetprovider unterstrich meine schlimmsten Befürchtungen: Internetstörung, die Techniker arbeiten fieberhaft am Problem, wissen allerdings nicht, wann das Problem behoben werden kann. Mit schlackernden Beinen legte ich auf. Damit Ihr aber das volle Spektrum meines Problems versteht, muss noch eine Info genannt werden: Mein Smartphone befindet sich zurzeit in Reparatur und ich renne mit einem alten, unzerstörbaren Nokia rum. Mobiles Internet? Fehlanzeige! Was tut man also freitags abends ohne Streaming, obwohl man sich so darauf gefreut hatte? Ich weiß nicht was ihr getan hättet, aber ich habe mich in den Schlaf geweint. Natürlich mit Gesicht auf das Kissen gedrückt, damit meine Nachbarn mein markerschütterndes Schluchzen nicht hören konnten.

Kein Internet weit und breit verursacht ein Gefühl, das man noch nicht einmal seinem schlimmsten Feind wünscht.

Nach einer sehr unruhigen Nacht wachte ich morgens auf und hoffte auf eine Besserung der Internetumstände. Doof nur, wenn es eben keine Verbesserung der Lage gab. Vormittags mit Kumpels online spielen? Keine Chance. Filme oder Serien schauen? Nö. Die neuesten Nachrichten? Ab zum Kiosk oder Pech gehabt! Shoppen als Balsam für die Seele? Höchstens mit einem Otto-Katalog! Soziale Netzwerke? Pff! Und dann ist da noch der Uhrzeiger, der ohne mit der Wimper zu zucken immer weiter in Richtung 15:30 tickt. Dem ultimativen Highlight des Wochenendes. Der Moment, der das Wochenende erst zum Wochenende macht. Der Anpfiff der Fußball-Bundesliga. Samstags, 15:30. Der wöchentliche Feiertag der Feiertage. Und dann…kein Internet. Aber hey, immerhin geht das Radio damit ich wenigstens… Verdammt! Internetradio!

Außergewöhnliche Umstände erfordern außergewöhnliche Maßnahmen

Ich kann euch versichern, dass es ein seltsames Gefühl ist, wenn man keine Ahnung hat, was um einen geschieht. Wie soll ich denn ohne Nachrichten-App weiterhin informiert bleiben? Was ist, wenn eine Zombie-Apokalypse ausbricht und ich davon nichts erfahren? Oder wenn eine Tsunami-Warnung für Bensheim rausgeht? Okay, recht unwahrscheinlich, aber ihr versteht den Punkt. Und wie meine Lieblingsmannschaft gespielt hat, weiß ich auch nicht. Ich weiß noch nicht mal, was bei meinen Freunden so los ist, weil WhatsApp geht ja auch nicht (okay, man hätte auch telefonieren können, aber wer denkt in einer solch ausweglosen Situation an so banale Dinge wie telefonieren. Tzz!). Die Hoffnungen auf eine baldige Behebung der Internetprobleme habe ich dann auch recht schnell begraben und mich etwas stattdessen etwas vollkommen Wahnsinniges getraut: Ich habe tatsächlich einen Fuß vor die Tür gesetzt.

Man braucht nicht unbedingt das Internet - auch die Welt draußen hat ihre Argumente.

An meinem freien Tag und das auch noch bei Sonnenschein und halbwegs warmen Temperaturen. Irre! Und dann bin ich losgelaufen und spazierte quer durch die Stadt, hab ein Eis gegessen, Freunde besucht und schon war der Tag vorbei. So richtig schnell. Ich habe aber erst einen Tag später gemerkt, in welch wahnwitzige Gefahr ich mich begeben hatte, als ich samstags aus der Bude getrampelt bin. Aber ich glaube, ich mache das in Zukunft jetzt öfter. Weil eigentlich hat es überhaupt nicht wehgetan. Irgendwie verrückt.

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