Das Darknet – die dunkle Seite des Internets

F. Sinner hat gepostet

Im Netz zu surfen, hat etwas Entspannendes. Viel Abwechslung, viel Spaß und viele bunte Seiten, die grenzenlose Möglichkeiten eröffnen. Shoppen, streamen, informieren oder mit Freunden schreiben – all das machen viele von uns täglich. Aber während Seiten wie Facebook oder Amazon zum Standard-Repertoire gehören und ganz normal im Browser aufgerufen werden können, wabert unter der Oberfläche des Internets eine düstere, eine andere Seite. Die Rede ist hier vom Darknet, das kriminellen und andersdenkenden Menschen eine Anlaufstelle für krumme Geschäfte, verrückte Vorstellungen oder zwielichtige Diskussionen eine Plattform bietet. Allerdings hilft das Darknet auch Menschen, sich beispielsweise in unterdrückten Ländern frei auszutauschen, ohne dabei von der Regierung überwacht und möglicherweise bestraft zu werden. Also lasst ihn uns starten, den Trip in die etwas anderen Abgründe des Internet-Paralleluniversums.

Was ist das Darknet?

Das Darknet funktioniert leicht anders, als wir es von unserer normalen Surfhistorie kennen. Im Darknet werden die Teilnehmer durch eine manuelle Verbindung miteinander verbunden und nicht wie wir es normal kennen, also automatisch. Das fördert nicht nur die Sicherheit der Verbindung, sondern führt auch dazu, dass solche Sessions gar nahezu unsichtbar ablaufen können, da die Verbindungsdaten einen Dritten im Normalfall überhaupt nicht erreichen. Normale Suchmaschinen wie Google oder Bing erfassen die verschlüsselten Seiten nicht und sind daher für den normalen User unmöglich zu greifen.

Um das Darknet ranken sich auch heute noch viele Gerüchte und Legenden. Fakt ist: Spannend ist das Thema allemal.

Wer Zugriff auf das Darknet haben möchte, der benötigt zum Beispiel den speziell entwickelten „Tor“-Browser, mit dem der Eintritt erfolgt. Als erstes fallen die seltsamen URLs oben im Browser auf, die mit den normalen URLs nichts gemein haben und eher wie eine kryptische Aneinanderreihung von Zahlen und Buchstaben erinnern. Ebenfalls kurios für den normalen Besitzer: Darknet-Adressen sind nicht rund um die Uhr erreichbar, denn sobald der Betreiber einer Webseite den Computer ausmacht, verschwindet auch die Adresse und ist nicht mehr aufrufbar. Aus diesem Grunde existieren Wikis, die regelmäßig die Web-Adressen aktualisieren und dem Nutzer die Infos zukommen lässt, wann und wie das gewünschte Ziel erreichbar ist. Das Surftempo ist übrigens unglaublich langsam, da für eine umfassende Anonymität seitens des Systems gesorgt wird – hier werden Gefühle aus den 90ern wach, als man noch mit ISDN das Netz in Slow-Motion unsicher machte.

Was kann man im Darknet machen?

Das Darknet ist berühmt für seinen freien Umgang mit Gedankengut – was nicht immer positiv aufgenommen werden sollte. Hier kann nicht nur über alles diskutiert werden, sondern auch alles gekauft und/oder geteilt werden. Aufgrund der doch recht hohen technischen Sicherheit entpuppt sich das Darknet in vielen Ecken als hochkrimineller Bazar für nahezu alle Vorstellungen. Wir wollen hier nicht näher ins Detail gehen, was im Darknet alles verfügbar ist, aber eine allgemeine Antwort fällt nicht schwer. Alles. Hier ist alles möglich, egal wie verrückt, krank oder wahnwitzig die Idee auch sein mag. Bezahlt wird dort mit der Kryptowährung Bitcoin, die ebenso schwer nachweisbar sind, wie die „ausgefallenen“ Geschäfte im Darknet.

Die Bezahlung mit Bitcoins ist ideal für das Darknet - das Konto ist leichtaufzuladen und die Transaktionen sind kaum nachweisbar.

Der dunkle Teil des Netzes ist aber nicht nur für kriminelle Aktivitäten geeignet, sondern erfüllt zudem einen wichtigen Zweck, der weltweit regelmäßig genutzt wird: der unzensierte und freie Umgang mit Informationen. Hier sind viele Menschen unterwegs, die in ihrem Land unterdrückt oder bevormundet werden, und nutzen das sichere Cyberspace, um zu kommunizieren oder sich zu informieren. Da ist es auch kaum Zufall, dass viele Journalisten aus pressefeindlichen Ländern unterwegs sind, um eine unabhängige Recherche durchzuführen oder zum Protest aufzurufen. Auch für Whistleblower ist die Plattform essenziell. Für uns in Europa mag das nur schwer vorstellbar sein, aber das Darknet ist für viele Nutzer die einzige Möglichkeit, sich so im digitalen Alltag zu verhalten, wie wir es im Firefox- oder Chrome-Browser tun würden.

Warum unternimmt die Justiz nichts dagegen?

Das Darknet und die Praktiken, die dort herrschen, sind mittlerweile allseits bekannt. Natürlich ist sich auch die Justiz darüber im Klaren, dass sich die Plattform zu einer Brutstätte für kriminelle Aktivitäten entwickelt hat. Das Problem ist nur: Zu wissen, was dort läuft und es gleichzeitig zu verhindern, beziehungsweise die Drahtzieher dingfest zu machen, sind zwei paar Schuhe. Die erhöhte Surfsicherheit und die Art, wie die Technik des Darknets funktioniert, macht es den Ermittlern schwer, effektiv gegen Verbrecher vorzugehen.

Das sogenannte Cyber Crime ist auch heute noch schwer strafrechtlich verfolgbar. Kurioserweise werden Kriminelle von Datenschutzgesetzen gedeckt.

Hinzu gesellt sich das Problem, dass die Gesetze immer noch noch nicht wirklich auf Cyberkriminalität abgestimmt sind und oft schwammig in der Durchsetzung sind – oft fehlt der Polizei einfach die Befugnis, um aktiver ins Geschehen einzugreifen. Beispielsweise müsste die Kommunikation des Verdächtigen dauerhaft überwacht werden und Online-Durchsuchen der digitalen Daten müssten erlaubt werden – was sich aber nicht unbedingt mit unserem Datenschutzgesetz vereinbaren lässt. Abschließend kommt noch hinzu, dass die Bundesregierung das Darknet aus zwei Blickwinkeln sieht. Man möchte die gesteigerte Darknet-Freiheit zulassen, rechtsfreie Räume aber mit allen Mitteln bekämpfen. Ein Spagat, der bis heute nicht effektiv umgesetzt werden konnte.

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